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Die Ausrüstung

Rennrad, Mountainbike, Liegerad ? Bei meiner Tour um Amerika hätten alle Modelle sicher ihre Vor- und Nachteile. Es sollte ja keine Reise querfeldein werden. Ich wollte mich an Straßen halten, je kleiner desto besser. Meist würde ich auf Asphalt fahren und entschied mich schließlich für ein Hercules Trekkingbike, mit dem ich auch schon in Deutschland immer wieder auf den Fernradwanderwegen unterwegs gewesen bin. Leicht, robust, zuverlässig, ohne Federgabel.

Ich montierte noch einen ergonomischen Lenker und eine Hybridpedale mit der Möglichkeit bei Bedarf auch in eine Bindung einzuklicken, vor allem am Berg sehr hilfreich. Zusätzlich nahm ich zwei Faltmäntel, Ersatzschläuche, Speichen und eine Extra-Kette mit, die ich nach jeweils rund 1000 bis 2000 Kilometern wechseln wollte, um die Zahnkränze zu schonen, die sonst bald von der einseitigen Belastung zerschlissen würden.

Meine Ausrüstung verstaute ich in ingesamt vier Gepäcktaschen mit wasserdichten Stausäcken, dazu noch eine Lenkertasche für die Kameras und Wertsachen, die ich beim Einkauf schnell mitnehmen konnte, und zwei wasserdichte Säcke für Zelt, Schlafsack und Isomatte. Rund 50 Kilo kamen mit dem technischen Equipment (zwei Kamerabodies, vier Objektive mit Festbrennweiten, eine digitale Kompaktkamera für den Blog, Aufnahmegerät für Interviews, Ladegeräte, Kabel), 100 Diafilmen (2004 war die Digitalfotografie einfach noch nicht soweit ;-) und Proviant und Wasser für ein bis zwei Tage zusammen.

Manche schwören ja bei solchen Mengen auf Radanhänger, aber die Taschenvariante schien nach meinen Touren durch Deutschland bewährt. Die vielen technischen Herausforderungen, mit denen ich während der Reise zu kämpfen hatte, waren denn auch wohl eher eine Verknüpfung unglücklicher Umstände als Tribut an die Belastung durchs Gewicht. Die ausgerissene Speiche im Hinterrad nach zwei Wochen ging auf einen Materialfehler zurück, wurde nach der Tour auch ohne Probleme von Mavic ersetzt. Das gekaufte Ersatzrad in Houston war dann vermutlich ein Fehlgriff, der sich rückblickend vielleicht als Segen entpuppte. Viele Begegnungen passierten überhaupt erst, nachdem ich, gebremst durch die technischen Probleme, auf Hilfe angewiesen war. Nach dem Unfall im Tunnel in Seattle hielten die neuen, handverspeichten Laufräder ja auch problemlos bis zum Ende durch, ohne einen weiteren Speichenbruch.

Insofern würde ich vermutlich kaum etwas ändern, außer vielleicht den Kocher zuhause lassen, der kaum zum Einsatz kam. Für viele machen ja gerade die unvorhergesehenen Ereignisse und Pannen den eigentlichen Reiz einer solchen Reise aus. Und jetzt, in der warmen Stube, kann ich dem auch ganz entspannt zustimmen.