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Die Route

Einmal um die USA mit dem Rad, Amerika hautnah. Das war mein Ziel, den Menschen dort begegnen, auf langsame Art und Weise. Deshalb auch das Rad als Gefährt. Es sollte ein langer Sommer werden, der für mich im Mai in der Nähe von Tampa, Florida begann. Die ersten Wochen durch den Süden nach Westen würden weitgehend flach verlaufen, ich könnte mich einfahren, denn vor meiner Abreise blieb nicht viel Zeit zum Trainieren.

Nach gut vier Wochen erreichte ich im Westen von Texas die ersten richtigen Berge. In New Mexico ging es zunächst rauf auf die Kontinentalscheide und später noch über 2500 Meter hohe Pässe. Mit 50 Kilo Gepäck quer durch die Rockies, dann Kontrast in der Mojave Wüste, 45 Grad und endlose Highways. Schließlich noch der Großraum Los Angeles, ein Moloch aus Verkehr und Smog, 300 Kilometer breit, bis ich Ende Juni am Pazifik stand. Die erste Etappe war nach 4600 Kilometern geschafft.

Auf dem Highway 1 kämpfte ich mich drei Wochen ununterbrochen gegen Wind und zermürbende Serpentinen nach Norden bis Seattle, meine nordwestlichste Station. Von dort ging es wieder rein in die Berge, zunächst die Cascades, dann wieder die Rocky Mountains. Einsames Land, in dem ich mich vielleicht am allerwohlsten fühlte, auch weil es für Tage kein Ziel gab, das ich erreichen wollte, und ich mich treiben lassen konnte. Vor der Prairie im Mittleren Westen hatten mich einige im Vorfeld gewarnt. Flach, unspektakulär, langweilig sollte sie sein. Aber ich wollte keine Touristenhighlights abstrampeln, sondern den Menschen begegnen, die mich gerade hier mit ihren Geschichten und ihrer Gastfreundschaft immer wieder überrascht haben. So erreichte ich nach 5000 Kilometern die Hauptstadt Washington und machte mich nach einer kurzen Pause auf den Weg zurück nach Süden.

Ich wollte ein letztes Mal in die Berge, diesmal die Appalachen, eines der ältesten Gebirge Nordamerikas, mit atemberaubenden Ausblicken in die fruchtbaren Täler. Die letzten Etappen wurden die längsten, die allerletzte mit mehr als 220 Kilometer die allerlängste. Und nach insgesamt 14.153 Kilometern in 155 Tagen kehrte ich schließlich wieder an den Golf von Mexico bei Tampa und beschloss die Reise dort am Strand. Ich schob mein Rad durch den Sand und lies die sanfte Brandung des Meeres ans Vorderrad schwappen...

PS: Die restlichen der insgesamt 180 Tage verbrachte ich mit Papa am Meer, Urlaub machen ;-)